Digitale Kommissionierung: Was moderne Lösungen können müssen

Ein Lagermitarbeiter nimmt sein MDE-Gerät, öffnet den nächsten Auftrag und arbeitet Position für Position ab. Artikel finden, scannen, weiter zum nächsten Lagerplatz. Das ist digital – aber ist es bereits eine moderne Kommissionierung?

Nicht unbedingt. Eine digitale Pickliste ersetzt zunächst nur das Papier. Eine leistungsfähige Kommissionierungssoftware sollte deutlich mehr können: Laufwege optimieren, unterschiedliche Pickverfahren unterstützen, mehrere Aufträge oder Mitarbeiter koordinieren und jederzeit transparent machen, wo sich ein Auftrag gerade befindet.

Was eine moderne Kommissionierung leisten sollte

Lagerprozesse unterscheiden sich erheblich. Ein Auftrag mit zwei Positionen benötigt einen anderen Ablauf als ein Großauftrag mit mehreren hundert Positionen. Auch viele kleine Marketplace-Bestellungen stellen andere Anforderungen als Aufträge mit verderblicher oder chargengeführter Ware.

Eine gute digitale Kommissionierung sollte deshalb nicht einen einzigen Ablauf vorgeben. Sie muss verschiedene Prozesse abbilden und sich an die Anforderungen des Lagers anpassen lassen.

Verschiedene Kommissionierarten unterstützen

Jederzeit wissen, wo sich ein Auftrag befindet

Picker und Packer als getrennte Prüfschritte nutzen

Große Aufträge parallel bearbeiten

Einposter effizient sammeln

1. Verschiedene Kommissionierarten unterstützen

Neben der klassischen Einzelkommissionierung gehört vor allem die Sammelkommissionierung, auch Multi-Order-Picking oder rollende Kommissionierung genannt, zu den wichtigen Verfahren.

Dabei werden mehrere Aufträge zu einem gemeinsamen Kommissionierungslauf zusammengefasst. Statt für jeden Auftrag erneut durch das Lager zu laufen, pickt der Mitarbeiter die benötigten Artikel für mehrere Bestellungen während einer Tour.

Das kann Laufwege reduzieren und die vorhandenen Lagerressourcen besser nutzen.

Wichtig ist dabei eine eindeutige Zuordnung: Die gepickte Ware sollte direkt einem Auftrag und beispielsweise einer bestimmten Box oder einem anderen Packmittel zugeordnet werden.

2. Jederzeit wissen, wo sich ein Auftrag befindet

Transparenz ist ein wesentlicher Vorteil einer durchgängig digitalen Kommissionierung.

Ein Beispiel: Ein Kunde ruft beim Service an und fragt nach seiner Bestellung. Im Idealfall sieht der Mitarbeiter im Front-Office direkt den aktuellen Status:

Der Auftrag wurde bereits kommissioniert und befindet sich in der Pooling-Zone, Stellplatz 3, Packmittel Box 14.

Dafür müssen die einzelnen Pickvorgänge unmittelbar an das zentrale System zurückgemeldet werden. Eine nachträgliche Übertragung gesammelter Daten reicht für eine solche Transparenz nicht aus.

Eine moderne Lösung sollte deshalb jeden relevanten Scan möglichst in Echtzeit verbuchen.

3. Picker und Packer als getrennte Prüfschritte nutzen

Ein sauber aufgebauter Prozess kann gleichzeitig die Qualität im Versand erhöhen.

Beim Picken wird der Artikel erstmals am Lagerplatz gescannt. An der Packstation erfolgt bei der Packkontrolle ein weiterer Scan. Arbeiten Picker und Packer getrennt voneinander, entsteht damit ein zusätzlicher Kontrollschritt vor dem Versand.

Fehlgriffe können so spätestens beim Packen erkannt werden, bevor die Ware das Lager verlässt.

Die technische Lösung sollte diese Arbeitsteilung unterstützen, statt Kommissionierung und Packkontrolle zwangsläufig zu einem einzigen Prozess zusammenzufassen.

4. Große Aufträge parallel bearbeiten

Was passiert bei einem Auftrag mit mehreren hundert Positionen?

Eine starre Kommissionierung, bei der ein Auftrag immer genau einem Mitarbeiter zugewiesen wird, kann hier zum Engpass werden. Sinnvoller kann es sein, einen umfangreichen Auftrag auf mehrere Lagermitarbeiter aufzuteilen.

Eine flexible Kommissionierungssoftware sollte deshalb ermöglichen, dass mehrere Benutzer parallel an demselben Auftrag arbeiten, ohne dass Positionen doppelt gepickt werden oder der Überblick verloren geht.

5. Einposter effizient sammeln

Eine weitere Besonderheit sind sogenannte Einposter – Aufträge, die lediglich aus einer Position bestehen. Sie treten beispielsweise im E-Commerce und im Marketplace-Geschäft häufig auf.

Solche Bestellungen einzeln durch das Lager zu kommissionieren, verursacht unnötige Laufwege. Stattdessen können viele Einposter in einem Sammellauf gemeinsam gepickt und anschließend an der Packstation den jeweiligen Aufträgen zugeordnet werden.

Mehr dazu: Hier sollte intern auf den bereits vorhandenen Blogbeitrag zum Thema „Einposter effizient kommissionieren“ verlinkt werden.

Die Tour durchs Lager muss zum Unternehmen passen

Der kürzeste Weg ist nicht automatisch der richtige Weg.

In vielen Lagern steht eine möglichst effiziente Tourenplanung im Vordergrund. Die Software berechnet die Reihenfolge der Picks so, dass Mitarbeiter möglichst wenige unnötige Wege zurücklegen.

Je nach Sortiment können jedoch andere Regeln wichtiger sein.

Bei FIFO (First In, First Out) soll beispielsweise ältere Ware zuerst entnommen werden. Bei Lebensmitteln oder anderer Ware mit begrenzter Haltbarkeit kann wiederum das Mindesthaltbarkeits- oder Verfallsdatum entscheidend für die Pickreihenfolge sein.

Solche Regeln können einer rein wegeoptimierten Tour widersprechen.

Deshalb sollte eine gute Kommissionierung nicht nur „den kürzesten Weg“ kennen. Die Tourenplanung muss sich an die tatsächlichen Prioritäten des Unternehmens anpassen lassen.

Packmittel schaffen Ordnung im Kommissionierungslauf

Ein Packmittel ist in diesem Zusammenhang das Behältnis, in dem Ware während der Kommissionierung gesammelt beziehungsweise zwischengelagert wird. Das kann beispielsweise eine Box, ein Korb oder ein Behälter auf einem Kommissionierwagen sein.

Beim Multi-Order-Picking ist die eindeutige Zuordnung besonders wichtig.

Beispielsweise:

  • Auftrag 4711 → Box 3
  • Auftrag 4712 → Box 1
  • Auftrag 4713 → Box 6

Der Mitarbeiter scannt nicht nur den Artikel, sondern ordnet ihn dem vorgesehenen Packmittel zu. Damit bleibt nachvollziehbar, welcher Artikel zu welchem Auftrag gehört und wo sich die Ware aktuell befindet.

Welche Packmittel sinnvoll sind, hängt dabei vom Sortiment und den Gegebenheiten im Lager ab.

MDE-Gerät allein bedeutet noch keine digitale Kommissionierung

Ein MDE-Gerät (mobile Datenerfassung) ist ein mobiles Gerät, mit dem Lagermitarbeiter beispielsweise Barcodes scannen und Arbeitsschritte direkt im Lager erfassen können.

Entscheidend ist jedoch nicht allein, dass eine Pickliste auf einem solchen Gerät angezeigt wird.

Die eigentliche Qualität entsteht durch den dahinterliegenden Prozess. Eine moderne MDE-Kommissionierung sollte unter anderem:

  • verschiedene Pickverfahren unterstützen,
  • Aufträge und Packmittel eindeutig zuordnen,
  • mehrere Mitarbeiter koordinieren,
  • Pickvorgänge direkt zurückmelden,
  • flexible Regeln für die Tourenplanung ermöglichen,
  • unnötige Laufwege reduzieren und
  • den aktuellen Status eines Auftrags transparent darstellen.

 

Erst das Zusammenspiel dieser Funktionen macht aus einer digitalen Pickliste einen durchgängigen digitalen Kommissionierungsprozess.

Fazit: Der Prozess entscheidet, nicht das Gerät

Wer seine Kommissionierung digitalisieren möchte, sollte deshalb nicht nur fragen: „Kann ich meine Pickliste auf einem MDE-Gerät anzeigen?“

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: „Kann die Software unsere unterschiedlichen Lagerprozesse sinnvoll abbilden?“

Sammelkommissionierung, Einzelaufträge, große Aufträge mit mehreren Pickern, Einposter, Packmittelverwaltung, flexible Tourenplanung und direkte Rückmeldungen an die Warenwirtschaft sind wichtige Bausteine dafür.

Je flexibler diese Prozesse abgebildet werden können, desto besser lässt sich die digitale Kommissionierung an das tatsächliche Lager anpassen – statt das Lager an eine starre Software anzupassen.

Wer prüfen möchte, welche Kommissionierungsprozesse zum eigenen Lager passen, kann die vorhandenen Abläufe zunächst gemeinsam mit uns analysieren und daraus einen sinnvollen digitalen Workflow ableiten.

FAQ

Bei der digitalen Kommissionierung werden Pickaufträge elektronisch bereitgestellt und die einzelnen Arbeitsschritte digital erfasst. MDE-Geräte und Barcodescanner können dabei Papierlisten ersetzen und Pickvorgänge unmittelbar an die Warenwirtschaft zurückmelden.

Beim Multi-Order-Picking (rollende Kommissionierung) werden mehrere Kundenaufträge innerhalb einer gemeinsamen Lagertour kommissioniert. Die Waren werden dabei eindeutig den jeweiligen Aufträgen beziehungsweise Packmitteln zugeordnet.

Eine digitale Pickliste zeigt hauptsächlich die zu entnehmenden Artikel an. Eine umfassende Kommissionierungssoftware steuert zusätzlich Prozesse wie Tourenplanung, Sammelkommissionierung, Packmittelzuordnung, paralleles Arbeiten und Statusrückmeldungen.

Packmittel wie Boxen oder Körbe ermöglichen es, gepickte Artikel eindeutig einem Auftrag zuzuordnen. Besonders bei Sammelläufen mit mehreren Aufträgen sorgt das für Übersicht und Nachvollziehbarkeit.

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