Ein Artikel wurde eingelagert, später umgebucht und anschließend für einen Auftrag kommissioniert. Doch wo befindet er sich jetzt genau? Im ursprünglichen Lagerplatz, auf einer Zwischenfläche oder bereits an der Packstation?
Mit zunehmender Größe und Komplexität eines Lagers reicht es nicht mehr aus, lediglich den Gesamtbestand eines Artikels zu kennen. Eine gute Multi-Lager-Lösung muss jederzeit zeigen können, wo sich Ware befindet, wie sie dorthin gelangt ist und für welchen Prozess sie vorgesehen ist.
Transparenz ist die Grundlage einer guten Lagerverwaltung
Eine der wichtigsten Anforderungen ist die lückenlose Nachvollziehbarkeit von Beständen und Warenbewegungen.
Das System sollte beispielsweise beantworten können:
Welcher Bestand wurde eingebucht?
In welchem Lager und auf welchem Lagerplatz?
Wann wurde Ware umgebucht?
Von welchem Platz kam sie und wohin wurde sie bewegt?
Befindet sich Ware gerade in der Kommissionierung?
Wo steht ein bereits teilweise kommissionierter Auftrag?
Damit wird aus einem reinen Lagerbestand ein nachvollziehbarer Warenfluss. Das hilft nicht nur bei der täglichen Arbeit, sondern auch bei der Suche nach evtl. Bestandsdifferenzen.
Flexible Lagerzonen statt starrer Strukturen
Lager sind unterschiedlich aufgebaut. Selbst innerhalb eines Unternehmens können einzelne Bereiche ganz verschiedene Anforderungen haben.
Eine Multi-Lager-Lösung sollte deshalb flexible Lagerzonen unterstützen. Für jede Zone lässt sich dann festlegen, wie sie genutzt werden soll.
So kann beispielsweise definiert werden, ob mehrere unterschiedliche Artikel auf einem Lagerplatz liegen dürfen oder ob ein Platz ausschließlich für einen bestimmten Artikel vorgesehen ist.
Auch Auffüllprozesse spielen eine Rolle: Ein gut erreichbarer Kommissionierplatz kann regelmäßig aus einem größeren Vorratsbereich aufgefüllt werden.
Die Software bildet damit die tatsächlichen Abläufe im Lager ab – und zwingt das Lager nicht in eine starre Systematik.
Dynamische und feste Lagerplätze sinnvoll kombinieren
Nicht jeder Artikel sollte nach demselben Prinzip eingelagert werden.
Bei einer dynamischen Lagerhaltung sucht das System einen geeigneten freien Lagerplatz. Ein Artikel kann dadurch an unterschiedlichen Stellen liegen. Das schafft Flexibilität und ermöglicht eine bessere Nutzung vorhandener Lagerflächen.
Bei festen Lagerplätzen ist einem Artikel dagegen dauerhaft ein bestimmter Platz zugeordnet.
Das kann beispielsweise bei häufig benötigten Artikeln oder Schüttware sinnvoll sein. Wird ein Artikel bei sehr vielen Aufträgen benötigt, sollte er möglichst schnell erreichbar sein. Statt ihn immer wieder an unterschiedlichen Stellen einzulagern, wird sein fester Platz einfach aufgefüllt.
Eine gute Multi-Lager-Lösung sollte beide Verfahren unterstützen und eine Kombination ermöglichen.
Lagerplätze müssen sich auch umräumen lassen
Ein Lager verändert sich laufend. Bestände steigen oder sinken, neue Artikel kommen hinzu und ursprünglich sinnvoll genutzte Flächen werden mit der Zeit unpraktisch.
Deshalb gehört auch das Umräumen und Verdichten von Beständen zu einer guten Lagerverwaltung.
Restbestände können beispielsweise auf einem gemeinsamen Lagerplatz zusammengeführt werden. Dadurch werden andere Plätze wieder vollständig frei und können neu genutzt werden.
Die entscheidende Voraussetzung: Jede dieser Bewegungen muss im System dokumentiert werden. Auch nach dem Umräumen muss nachvollziehbar bleiben, woher ein Bestand kam und wo er sich jetzt befindet.
Zwischenlager und Pooling-Zonen berücksichtigen
Besonders interessant wird die Bestandsführung, wenn ein Auftrag aus mehreren Lagerbereichen kommissioniert wird.
Ein Mitarbeiter stellt beispielsweise bereits einen Teil des Auftrags zusammen, während weitere Positionen aus einer anderen Lagerzone noch fehlen. Die bereits gepickte Ware benötigt dann einen definierten Zwischenplatz.
Solche Pooling-Zonen oder Stellplätze sollten Bestandteil der Lagerlogik sein.
Das System weiß dadurch nicht nur, dass ein Teil des Auftrags bereits kommissioniert wurde, sondern auch, wo diese Ware aktuell steht. Der Auftrag bleibt damit selbst während eines mehrstufigen Prozesses transparent.
Arbeiten auf Sicht sollte möglich bleiben
Eine leistungsfähige Lagerverwaltung muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass jeder einzelne Arbeitsschritt durch starre Platzvorgaben bestimmt wird.
Je nach Lager und Prozess kann es sinnvoll sein, Mitarbeitern einen gewissen Spielraum zu lassen. Sie können Ware beispielsweise auf Sicht auf einen geeigneten Lagerplatz bringen und diesen anschließend per Scan im System erfassen.
Entscheidend ist weniger, dass die Software jeden Platz im Voraus vorgibt. Entscheidend ist, dass sie anschließend zuverlässig weiß, welcher Bestand sich an welchem Ort befindet.
Worauf sollten Unternehmen bei einer Multi-Lager-Lösung achten?
Bei der Auswahl lohnt sich deshalb ein Blick über die reine Funktion „mehrere Lager verwalten“ hinaus. Eine gute Lösung sollte:
| Warenbewegungen vollständig nachvollziehbar machen, | |
| flexible Lagerzonen unterstützen, | |
| feste und dynamische Lagerplätze ermöglichen, | |
| Umbuchungen und Umräumprozesse abbilden, | |
| Auffüllprozesse unterstützen, | |
| Zwischen- und Pooling-Zonen verwalten, | |
| teilkommissionierte Aufträge lokalisierbar machen, | |
| und trotz klarer Bestandsführung flexible Lagerprozesse zulassen. |
Fazit: Multilager bedeutet mehr als mehrere Bestände
Eine Multi-Lager-Lösung ist nicht einfach eine Warenwirtschaft, in der Lager A, Lager B und Lager C angelegt werden können.
Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Transparenz des gesamten Warenflusses. Vom Wareneingang über Umbuchungen und Auffüllprozesse bis zur Kommissionierung sollte jederzeit nachvollziehbar sein, wo sich ein Bestand befindet und was mit ihm passiert ist.
Gleichzeitig muss die Lagerstruktur flexibel genug bleiben, um unterschiedliche Artikel, Flächen und Arbeitsweisen abzubilden.
Wie eine solche Lagerverwaltung in dbFakt umgesetzt werden kann, zeigen wir ausführlicher auf unserer Seite zur Multi-Lager-Lösung.
FAQ
Eine Multi-Lager-Lösung ermöglicht es, Bestände über mehrere Lager, Lagerbereiche und Lagerplätze hinweg zu verwalten. Dabei sollte nicht nur der Gesamtbestand, sondern auch der konkrete Standort der Ware nachvollziehbar sein.
Bei einem festen Lagerplatz wird ein Artikel dauerhaft einem bestimmten Platz zugeordnet. Bei dynamischer Lagerhaltung kann der Artikel abhängig von der aktuellen Lagersituation auf unterschiedlichen freien Plätzen eingelagert werden.
Pooling-Zonen sind definierte Zwischenplätze für Ware, die sich bereits in einem laufenden Prozess befindet. Dort können beispielsweise teilweise kommissionierte Aufträge gesammelt werden, bis weitere Positionen hinzukommen.
Eine nachvollziehbare Historie hilft dabei, Bestände und Lagerbewegungen zu prüfen. Bei Abweichungen lässt sich leichter feststellen, wann Ware eingebucht, umgelagert oder einem anderen Prozess zugeordnet wurde.